Konzeptalbum

Chris de Burgh besingt „Robin Hood“

Sein Musical über den englischen Räuber wurde wegen Corona schon zweimal verschoben - nun auf 2022. Jetzt veröffentlicht Chris de Burgh einen Vorgeschmack und zeigt, was die Legende heute bedeutet.

Von Sebastian Fischer, dpa 03.09.2021, 10:25 • Aktualisiert: 21.10.2021, 17:19
Der Sänger und Komponist Chris de Burgh hat ein Album geschrieben, das ein Vorbote eines Musicals sein soll.
Der Sänger und Komponist Chris de Burgh hat ein Album geschrieben, das ein Vorbote eines Musicals sein soll. Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin - „The Lady In Red“ sei mittlerweile viel größer geworden als er selbst, analysiert Chris de Burgh seinen Superhit. „In Amerika haben die Leute keine Ahnung, wer ich bin, aber das Lied kennen sie auf jeden Fall.“

Die Mutter aller Liebesschnulzen sieht der Sänger quasi als Schlüssel zu seinem Werk. „Ich habe so viele verschiedene Songs geschrieben. Aber wenn du den nicht magst, dann magst du nichts, was ich gemacht habe“, sagt der 72-jährige Ire im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Wer aber zu den „Lady in Red“-Fans gehört, könnte sich folglich auch für das neueste Projekt von de Burgh begeistern.

Soziale Gerechtigkeit

Jetzt hat sich der in Buenos Aires geborene Musiker mit den markanten Augenbrauen die Abenteuer des Robin Hood vorgenommen, jenen mittelalterlichen Held, der in die englische Sagenwelt als Rächer der Entrechteten einging. Bevor 2022 sein Musical Weltpremiere in Deutschland feiern soll, kommt diesen Freitag (3. September) erst einmal die Platte „The Legend of Robin Hood“ heraus - ein Konzeptalbum mit 23 Songs und Instrumentals.

Berühmt ist Robin Hood wegen seines Engagements für die Armen. Mit der Zeit hat sich der Räuber, der es auf die Schätze der Reichen abgesehen hat, zum Pionier der sozialen Gerechtigkeit gewandelt, der seine Beute unter den Mittellosen verteilt. Noch heute stehe der Held exemplarisch für die immense Ungleichheit in der Welt, in der sich außerordentlicher Reichtum in den Händen weniger Menschen befinde, so de Burgh. „Jedes Leben ist so wichtig wie das andere. Wir alle haben die gleichen Gefühle, die gleichen Wünsche, Hoffnungen, Träume, die gleichen Körperfunktionen, einfach alles.“

Dass es Robin Hood überhaupt jemals gegeben hat, ist nicht belegt. Für de Burgh war die Geschichte ein weißes Blatt Papier, wie er sagt. Zwar kommen bei ihm weiterhin bekannte Gestalten wie der Sheriff von Nottingham oder die Geliebte Maid Marian vor, aber was sie miteinander und füreinander tun, ist neu ausbalanciert. „Ich wollte eine dramatische Geschichte in meinem Album erzählen.“

Bekannt für lyrische Balladen

Und „Erzählen“ trifft es tatsächlich: Auf der Platte, die unter anderen acht Lieder aus dem späteren Musical vereint, singt sich de Burgh durch das Leben Robin Hoods - wobei im Rampenlicht die Texte stehen, und die Musik hinter den Gesang zurücktritt. Für sein Arrangement greift der Ire teils auf mittelalterliche Minne und frühneuzeitliche Kompositionen zurück. Glücklicherweise aber lockert er mit poppigen Stücken wie „Live Life, Live Well“, „Open Your Eyes“ oder „Light A Fire!“ seine strenge Erzählstruktur auf.

Bekannt ist de Burgh ohnehin für seine lyrischen Balladen, in denen er von einer besseren Welt träumt - das behält er auch auf der neuen Platte bei. In „Legacy“ heißt es etwa einmal: „Ein einziges Licht kann in der Dunkelheit verloren gehen, aber eine Million Lichter werden in der Welt leuchten.“

17 Alben hat der Ire bisher in den deutschen Top Ten untergebracht. Die Hits „Don't Pay The Ferryman“ und „High On Emotion“ von zwei Nummer-eins-Alben vom Anfang der 1980er machten ihn berühmt, doch „The Lady In Red“ von 1986 ist bis heute mit weltweit mehr als acht Millionen verkauften Exemplaren sein erfolgreichster Titel.

Musical in Fulda erst 2022

Auf Konzerten lässt er es sich nicht nehmen, mit Frauen aus dem Publikum einen kurzen Tanz hinzulegen, die in roten Kleidern zu seinen Gigs erscheinen. Doch zuletzt verzichtete de Burgh wegen der Corona-Pandemie für fast 600 Tage auf Live-Auftritte. „Das war sehr hart für die Menschen in meiner Branche, nicht nur für die Künstler, sondern auch für die Tausende von guten und professionellen Menschen, die die Tourneen unterstützen“, sagt er. Nun freut er sich wieder auf die Bühne. Nach kleinen Konzerten in Köln und auf Mallorca startet er ab Anfang September eine Tour durch Deutschland.

Im kommenden Sommer steht dann auch das Musical „Robin Hood“ in Fulda an - zumindest nach derzeitigem Stand. Eigentlich sollte das Stück bereits 2020 zur Premiere kommen, doch schon zweimal wurde es wegen der Pandemie verschoben. Zwischen Juni und Oktober sind nun mehr als 170 Termine geplant. Seine Songs werden darin auf Deutsch gesungen.

Zur Premiere will der Großvater dreier ganz kleiner Enkel wieder nach Fulda reisen. „Es gibt ein altes Sprichwort: Musicals werden nicht geschrieben, sie werden umgeschrieben“, sagt er. Sie entwickelten sich je nach Regisseur ständig weiter - deshalb wolle er auch schon bei den Proben dabei sein. Sein Co-Komponist für das Musical, Dennis Martin, sagte einmal, sie wollten „keinen Helden in Strumpfhosen zeigen, sondern eine Figur, die eine politische und moralische Haltung hat“. De Burgh sieht das ähnlich: „Wir haben ihn zu einer modernen Persönlichkeit gemacht.“ Ein Held für heute, sozusagen.